Martins Ausscheiden beim Militär

Nachdem die Germanen erneut in Gallien einfielen, zogen die Römer am Rhein ein Heer zusammen. Im Heerlager bei Worms kam es zu der entscheidenden Begegnung zwischen dem christlichen Gardeoffizier und Kaiser Julian, dem die Geschichte den Beinamen „Apostata" (d.h. der Abtrünnige) gegeben hat, weil er selbst das Christentum ablehnte und auch seine Soldaten abspenstig zu machen suchte. Wie in jenen Zeiten üblich rief der Imperator vor dem Kampfeinsatz seine Soldaten einzeln zu sich, um ihnen das „donativum", eine Prämie, zu übergeben. Als Martin aufgerufen wurde, nahm er kurzentschlossen diese Gelegenheit wahr, um seine Entlassung aus dem Militär zu erbitten. Weil er sich als Christ nicht berechtigt sah, mit der Waffe zu kämpfen und Blut zu vergießen, wollte er folgerichtig auch keine Prämie annehmen. Deshalb sprach er zum Kaiser: „Bis heute habe ich Dir als Soldat gedient; erlaube, dass ich in Zukunft für Gott streite. Deine Prämie möge annehmen, wer kämpfen will. Ich bin ein Soldat Christi. Mir ist es nicht erlaubt, mit der Waffe zu kämpfen." Der Kaiser erzürnte wegen dieser Rede und herrschte Martin an: „Aus Furcht vor der Schlacht verweigerst du den Dienst, aber nicht aus religiösen Gründen!" Martin aber erwiderte unerschrocken und bestimmt: „Wenn man meine Haltung der Feigheit, nicht aber der Glaubenstreue zuschreibt, werde ich morgen unbewaffnet vor die Schlachtreihe treten, und im Namen des Herrn Jesus werde ich unter dem Schutz des Kreuzes, ohne Schild und Helm, sicher durch die Reihen der Feinde gehen." Der Kaiser ließ ihn gefangen nehmen, um ihn am folgenden Tag den Feinden gegenüber zu stellen. Ehe es jedoch dazu kam, sandten die Germanen eine Botschaft und ergaben sich dem Kaiser.

Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst begab sich Martin nach Poitiers, um Schüler des dortigen Bischofs Hilarius zu werden, und die Priesterweihe anzustreben. Anschließend drängte es ihn, seine Eltern, die noch nicht Christen waren, wiederzusehen und zum christlichen Glauben zu bekehren. Aber in seiner Heimat Pannonien hatte sich zwischenzeitlich der Arianismus ausgebreitet, der sich dem Christentum widersetzte. Martins Missionsversuche scheiterten zwar; dennoch hatte er seine Mutter für das Christentum gewinnen können. Vor der Verfolgung durch die Arianer zog sich Martin als Einsiedler auf die Insel Gallinaria an der Riviera zurück.

Bischof Hilarius, der in diesen bewegten Jahren ins Exil hatte gehen müssen, kehrte um 360 nach Poitiers zurück, ebenso Martin. Im nahegelegenen Ligugé gründete er ein Kloster, wo sich bald zahlreiche Gleichgesinnte fanden.


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